Evangelische Kirche in Essen für städteübergreifendes Verkehrskonzept und für unverzügliche Beendung der Planungen zur Transitautobahn A44/A52

Das höchste Gremium der Evangelischen Kirche in Essen, die Kreissynode, die aus Vertretern aus allen 28 Essener Gemeinden gebildet wird und ca. 158.000 evangelische Christen vertritt, hat am 5. November 2010 in Essen-Rüttenscheid bei nur drei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen beschlossen:

Kreissynode lehnt neue Autobahn durchs Ruhrgebiet ab
Mit großer Einmütigkeit folgte die Kreissynode einem Antrag aus den vier Kirchengemeinden Altenessen-Karnap, Bergerhausen, Frillendorf und Stoppenberg und lehnte den geplanten Bau der umstrittenen Transitautobahn A52/A44 durch das Ruhrgebiet ab. Auch der synodale Beirat für Umweltfragen des Kirchenkreises hatte empfohlen, diesem Beschlussvorschlag zuzustimmen. Statt des Autobahnbaus forderte das Kirchenparlament ein städteübergreifendes und zukunftsorientiertes Mobilitätskonzept, das nachhaltig für mehr Lebensqualität im Ruhrgebiet sorgt. Dazu zähle in erster Linie die Aufstellung eines Generalverkehrsplans, der die Bedeutung umweltverträglicher Verkehrsmittel und den möglichen Aufbau logistischer Zentren im Umland für den Güterverkehr einbeziehe. Planung und Bau der neuen Transitautobahn sollten dagegen unverzüglich beendet und aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden, so der Beschluss.

Dem Argument mancher Autobahn-Befürworter, das Problem der unbestritten stark überlasteten innerstädtischen Verkehrsadern könne nur durch die neue Autobahn gelöst werden, vermochte die Synode nicht zu folgen: Andere europäische Metropolen hätten längst weit intelligentere Lösungen verwirklicht und eine Entlastung wichtiger Straßen erreicht, ohne neue Autobahnen mitten durch urbane Zentren und Wohngebiete zu führen, hieß es in der Aussprache. Demgegenüber verhindere die geplante Transitstrecke eine menschen- und umweltfreundliche Verkehrsentwicklung und konterkariere die Klimaziele der Stadt. Mit dem Vorhaben werde zudem eine Verletzung des sozialen Gefüges und der leiblich-seelischen Integrität vieler Menschen, die in den vom Autobahnbau betroffenen Stadtteilen leben, in Kauf genommen – neben umweltpolitischen Argumenten sah die Synode daher auch eine ganze Reihe von theologischen Gründen, die gegen die Nord-Süd-Autobahn sprechen.

Hintergrund: Die umstrittene Nord-Süd-Autobahn soll nach und nach in Teilstrecken verwirklicht werden. In Fortführung der Autobahn A52 verläuft die Streckenplanung durch Gladbeck, Bottrop, Essen und – als A44 – weiter bis nach Velbert, Heiligenhaus und Ratingen. Mehrere Kirchengemeinden im Essener Norden, darunter die Antragsteller Altenessen-Karnap, Frillendorf und Stoppenberg, die durch den Autobahnbau stark belastet und teilweise zerschnitten würden, hatten das Autobahnprojekt von Anfang an entschieden abgelehnt. Dank der Unterstützung durch den deutlichen Beschluss der Kreissynode könne man den Protest nun auf eine breitere innerkirchliche Basis stellen und dadurch auch mehr öffentliche Beachtung erzielen, hieß es.

Wortlaut des angenommenen Antrags

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